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Handy-Liebe

Handy-Liebe

Wie sich das Smartphone auf die Beziehung auswirkt

Wer kennt es nicht…?! Man ist gerade mitten im Gespräch und dann schaut der Partner bzw. die Partnerin einfach auf’s Handy und checkt man schnell die Mails, Facebook, Whatsapp oder was auch immer. Mittlerweile gibt es sogar ein Fachwort dafür: Phubbing. Man wird ge-phubbed, wenn sich der Partner bzw. die Partnerin mehr mit dem Handy beschäftigt als mit dem Gegenüber zu kommunizieren. Geschätzt fühlen sich in den USA 25% der verheiraten Paare betroffen und sogar 42% der Menschen in einer Liebesbeziehung (ohne Ehe).

Bleibt also die berechtigte Frage: Schadet das Smartphone der Beziehung oder nicht? Wie gut, dass es auch hierzu Studien gibt!

Wie wurde die Handy-Liebe getestet?

Zwei Forscher haben eine online Umfrage zum phubbing in Chile durchgeführt und Menschen zwischen 18-65 Jahren (im Mittel 29,9 Jahre, 51,3% weiblich) befragt. Das Besondere an der Studie: Es ist eine Langzeitstudie. Zuerst wurden 717 Leute in der ersten Welle befragt. Nach einem Jahr wurden die Leute erneut befragt, um einen Trend ausmachen zu können. In solchen Studien gibt es häufig einen großen Schwund an Befragten und daher blieben zur zweiten Welle nur noch 275 Menschen, die a) immer noch in ihrer Beziehung waren und b) Lust hatten erneut an der Studie teilzunehmen.

Im Durchschnitt haben die Leute nach eigenen Angaben circa 2 Stunden am Tag mit ihrem Smartphone getextet.

Und hier die drei großen Erkenntnisse:

Nr. 1: Die eigene Aufmerksamkeit ist nicht teilbar.

Einige Menschen meinen, man könne neben der Smartphone-Bedienung auch noch andere Sachen machen wie z.B. einem Gespräch zuhören – quasi im Multitasking-Modus. Allerdings fordert eine online-Konversation sehr viele geistige Ressourcen. Das Gehirn ist so ausgelastet, dass man dem parallelen Gespräch mit dem Partner bzw. der Partnerin nicht wirklich folgen kann – auch wenn man sich noch so gerne einredet, das Gegenteil sei der Fall.

Die Aufmerksamkeit ist hingegen weniger gefordert, wenn man Medien lediglich konsumiert, sich also z.B. vom Fernseher berieseln lässt.

Nr. 2: Permanentes Texten verringert die Intimität in der Beziehung.

Das „Geheimnis“ von langjährigen Beziehungen ist das Gefühl, der Partner bzw. die Partnerin sorgt sich um einen und kümmert sich um die Bedürfnisse, ganz unabhängig von der Situation. Das ist natürlich schwer möglich, wenn das Gegenüber mitten im Gespräch auf’s Handy schaut. Man hat dann das Gefühl mit einer Maschine im Konkurrenzkampf um die Liebe zu stehen.

Nr. 3: Phubbing wirkt sich negativ auf die Beziehungsqualität aus.

Die Häufigkeit des Textens im Jahr 1 hat einen negativen Effekt auf die Beziehungsqualität im Jahr 2. Was spannend ist, da es keinen Effekt auf die Beziehungsqualität im Jahr 1 gibt. Und es gibt auch keinen Effekt der Beziehungsqualität im Jahr 1 mit der Häufigkeit des Textens im Jahr 2. Das heißt, wahrscheinlich ist es so, dass das Phubbing zu einer niedrigeren Beziehungsqualität führt und eben nicht umgekehrt. Plus, es gibt keine Hinweise, dass Phubbing benutzt wird, um die Beziehung zu vermeiden.

Und was jetzt?

Wer in einer Beziehung steckt, in der ge-phubbed wird, muss aber nicht gleich in Panik ausbrechen. Der Effekt auf die Beziehungsqualität ist zwar signifikant, aber eher klein*. In der Studie ist es gelungen 13% der Beziehungsqualität mit dem Modell aufzuklären, also mit Phubbing, Intimität und auch Kontrollvariablen wie dem Alter. Es gibt also noch viel mehr Aspekte als das Texten, die die Qualität der Liebe beeinflussen.

Die Ironie …

Während Texten in der Anwesenheit des Partners bzw. der Partnerin negative Auswirkungen hat, gibt es positive Effekte für die Handynutzung, wenn er bzw. sie nicht da ist. Studien zeigen, dass das Smartphone durchaus einen Anteil daran hat, die Intimität in der Partnerschaft aufzubauen. Dank Handy-Liebe kann man sich also auch näher beieinander fühlen.

Take-home message

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* Die Autoren haben Pfadmodelle berechnet. Ich verzichte auf die Angabe konkreter Zahlen, da die Interpretation der statistischen Kennwerte sehr komplex ist.

Quelle: Halpern, D. & Katz, J. E. (2017). Texting’s consequences for romantic relationships: A cross-lagged analysis highlights its risks. Computers in Human Behavior, 71, 386–394.